[Am 05. Dezember 2013 starb Südafrikas erster schwarzer Präsident und Anti-Apartheid-Kämpfer Nelson Madiba Mandela. Diesen Todestag nimmt LitAfrika zum Anlass, Ihnen drei Titel des post-Apartheid Südafrika vorzustellen, die eindrucksvoll illustrieren, wie weit der Weg noch ist.]

Literaturtipps – gelesen, gemocht, kurz vorgestellt:

duiker-gr_gerK. Sello Duiker: Die stille Gewalt der Träume. Diese beeindruckende Milieustudie des jungen Südafrikas geht tief unter die Haut. Voller Virtuosität bläht der Roman eine zerrissene Gesellschaft vor dem Leser auf, begeistert, schockiert und bewegt gleichermaßen. Mit seinem Protagonisten Tshepo, dem schwarzen und gebildeten jungen Mann, gelingt es Duiker, den Leser mitzunehmen in die aktuelle städtische Kultur Südafrikas. Poetische Sprachbilder, genaue Beobachtungen und kritische Blicke erschaffen die Utopie eines Landes, in dem der traurige Held von Menschlichkeit träumt, in der homosexuell sein normal ist, in der die Frau gleichwertig ist, in der es keinen Rassismus gibt. Der komplexe Roman schafft einen Traum, nicht nur für Südafrika. Ein starker Roman in radikalen Bildern.

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Charlotte Otter: Balthasars Vermächtnis. Balthasar, das ist der Tote der eines Morgens auf der Schwelle zum HIV-Haus in Pietermaritzburg liegt, Sohn eines erzkonservativen Buren. Er war Retter von Aidswaisen und schwul. Witwer eines Aidstoten und nun selbst tot. Die Ermittlerin Maggie Cloete, die den Toten vor wenigen Tagen noch am Telefon abgewimmelt hatte, wird nun in einen Fall verstrickt, der Südafrikas größte Probleme offen legt: HIV und Verbrechen. Ein ruppiger Roman, erzählt mit wütender Hand, der sich in die weit geöffnete Schere zwischen protzig reich und bitter arm hinein drängt und zeigt, wie erschreckend gleichgültig die Regierung nach Mandela tausende AIDS-Tote hinnimmt, weil man sie statt mit teuren Medikamenten mit Roter Beete zu therapieren versucht. Und fast nebenbei beleuchtet die Autorin die Reste der weißen Buren-Gesellschaft und vermittelt Einschnitte der jüngeren Vergangenheit der Republik Südafrika.

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Sifiso Mzobe: Young Blood. Ein Romandebüt, das im wahrsten Sinne rasant Fahrt aufnimmt – ins Abseits. Der 17-jährige Ich-Erzähler, der aus der unteren Mittelschicht stammt, überschreitet die Linie zur Illegalität, viel zu leicht. Viel zu verlockend, das zeigt der Roman, ist eben dieser Schritt, viel zu schnell hängt man fest in den Zwängen die den Weg zurück unmöglich werden lassen. Ohne Bildungsangebote und Alternativen in den Townships Südafrikas scheint es für viele Jugendliche keinen anderen Weg zu geben. Dynamisch und temporeich erzählt der Autor, wie schnell sich der, der einmal in der Illegalität festhängt, vom Leben in der anderen Welt entfernt. Festgemacht in lebhaften Bildern eines Township-Alltags, wie ihn Mzobe selbst aus dem eigenen Leben kennt.