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Christopher Mlalazi aus Simbabwe ist Autor von Wegrennen mit Mutter. Der Roman handelt von dem 14-jährigen Mädchen Rudi, die zusammen mit ihrer Mutter, der Tante und dem neugeborenen Cousin vor dem Gukurahundi genannten Massaker an der Volksgruppe der Ndebele flieht. Der beeindruckende Roman wurde hier rezensiert. Was Mlalazi zum Schreiben brachte, wie er sein Heimatland sieht und warum er dieses Thema gewählt hat, erzählt er im folgenden Interview mit Litafrika:

 

Wann haben Sie mit dem Schreiben begonnen? Was war der Grund dafür?

Im Alter von 16 Jahren, als ich auf der High School war, habe ich begonnen meinen ersten Roman zu schreiben. Damals habe ich selbst viele Romane und Comics gelesen und irgendwann gedacht: Wenn ich all diese Bücher lesen, verstehen und mögen kann, bedeutet das doch auch, wenn ich viel Disziplin und Willen aufbringe, dass ich auch selbst mein Buch schreiben kann und das dies dann auch anderen Lesern gefallen würde – der Rest ist Geschichte.

Was glauben Sie sollte Literatur sein?

An erster Stelle sollte Literatur eine gute Geschichte sein, die beides kann: unterhalten und gleichzeitig Neues vermitteln. Was über diese beiden Elemente hinaus passiert, hängt von der Kreativität und dem Talent des Autors ab. Der kann natürlich im Text auch Labyrinthe erschaffen, Puzzle, mathematische Gleichungen einbauen oder worauf auch immer er oder sie abfährt, um den Leser bei der Stange zu halten.

Haben Sie ein Vorbild oder Lieblingsautoren? Wenn ja, warum dieser?

Ich habe in der Vergangenheit so viel Literatur gelesen, dass ich nicht behaupten möchte, ein Vorbild zu haben. Natürlich gibt es Autoren, deren kreative Fähigkeiten mich nachhaltig beeindruckt haben, wie beispielsweise Tolstoy, mit Krieg und Frieden genauso wie Anna Karenina, oder Ben Okri mit Die hungrige Straße. Auch ein Ndebele Autor aus Simbabwe, Geshom M.P. Khiyaza mit Ukuthunjwa Kuka Sukuzukuduma (The Abduction Of Sukuzukuduma). Das bloße handwerkliche Können, dass diese Autoren mit ihren Büchern zeigen, hat meine Liebe zur Tradition des Geschichtenerzählens manifestiert. Natürlich gibt es noch viele andere Autorinnen und Autoren, selbst außerhalb der Belletristik, wie Aristoteles und Sigmund Freud, deren Bücher ich außerhalb eines akademischen Umfeldes nur für mich gelesen habe. Ja auch diese Autoren haben mich beeindruckt, mit ihren tiefen Überlegungen zur Natur des Menschen und dem Wesen des Denkens. Im Moment versuche ich, Hegels Grundlinien der Philosophie des Rechts zu lesen. Das ist natürlich schwere Lektüre, doch je schwerer, desto besser für mich.

Ihr Buch Wegrennen mit Mutter handelt von einem sehr brutalen Stück Geschichte Simbabwes. Warum schreiben Sie darüber?

Das Massaker Gukurahundi, das vom noch jungen Mugabe Regime kurz nach der Unabhängigkeit Anfang der 1980er Jahre angeordnet wurde und unschuldige Ndebele ermordete, ist ein viel diskutiertes Thema in Simbabwe, ob in den sozialen Medien oder hinter verschlossenen Türen. Und ich alt Autor glaube, es ist meine Pflicht ein Zeugnis in Form eines Buches zu hinterlassen, dass spätere Generationen lesen und in der Schule behandeln können, so dass wir uns nachhaltig der Verderbtheit bewusst sein können, die die Menschheit manchmal befällt. Verbunden mit der Hoffnung, das solche Ereignisse „no-Gos“ sind. Wir Menschen sind besser als das.

Wo, glauben Sie, steuert Simbabwe politisch hin?

Simbabwe ist politisch in einem ernsten Chaos. Es ist ein Schiff in einem Hurricane, dass auf Felsen zusteuert. Diejenigen, die dieses Chaos gerade verursachen, werden versuchen es zu leugnen und auf imaginäre Feinde von außen zeigen, zum Beispiel „der Westen“. Aber wir Menschen aus Simbabwe sind intelligente Leute und wissen längst, was wirklich passiert. Korruption, massive Plünderungen, Menschenrechtsverletzungen und ähnliche Dinge. Wenn das „Pan Africanism“ ist, dann sollen die Pan Africanisten ihren Scheiß behalten, vor allem die in anderen afrikanischen Ländern, die Robert Mugabe zu einer Art Gott erhoben haben. Doch trotz allem ist Simbabwe ein gut vernetztes, multi-kulturelles Land in dem Menschen leben, die Liebe und Respekt für einander aufbringen, über alle ethnischen Grenzen hinweg. Erst, wenn die Politiker mit ihrem Hass und ethnischen Abgrenzungsversuchen kommen, fangen die Leute an, mit dem Finger aufeinander zu zeigen.

Vielen Dank für das Interview!

Zur Kurzprosa: Die Hand der Finsternis